Außenpolitik / Staatsvertrag / Alliierte

In Österreich, wo das politische Leben ein Jahrzehnt lang von den vier Besatzungsmächten wesentlich mitbestimmt wurde, waren in den ersten Jahren der Zweiten Republik Innen- und Außenpolitik kaum voneinander zu trennen und dies sollte auch bis 1955 so bleiben.

Die österreichische Außenpolitik nach 1945 zielte vor allem darauf ab, gute Beziehungen zu den vier alliierten Besatzungsmächten (USA, Sowjetunion, Frankreich und Großbritannien) aufzubauen, um dadurch einen Staatsvertrag zu verhandeln, der Österreich seine Souveränität und Freiheit nach der nationalsozialistischen Herrschaft von 1938–1945 zurückgeben sollte.

Im Jänner 1947 versuchte die erste frei gewählte Nachkriegsregierung Österreichs unter der Oberaufsicht der Alliierten Kommission für Österreich einen Friedensvertrag mit den alliierten Mächten in London zu verhandeln. Weitere Verhandlungen wurden ab März 1947 nach Moskau verlegt. Den sowjetischen Forderungen stimmten die ÖVP-Verhandler unter der Führung der zwei Bundeskanzler Leopold Figl (1945–1953) und Julius Raab (1953–1961) großteils zu. Zur gleichen Zeit versuchten die SPÖ-Verhandler sich den sowjetischen Forderungen nicht uneingeschränkt zu beugen, auch um die Distanz zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten zu wahren. 

Nach dem Oktoberstreik 1950 und der sich verschärfenden weltpolitischen Spannungen nach Ausbruch des Korea-Krieges die Westorientierung Österreichs ihren Höhepunkt. Ihren sichtbaren Ausdruck fand diese in dem mit westalliierter Hilfe erfolgten Ausbau der österreichischen Sicherheitskräfte. Die seit 1949 bestehenden Gendarmerie-Alarmformationen entsprachen nämlich weder den österreichischen Bedürfnissen noch den amerikanischen Vorstellungen von einer Streitmacht, mit deren Hilfe Österreich im Falle eines Staatsvertragsabschlusses binnen dreier Monate verteidigungsfähig gemacht werden sollte. 

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